Zahlungsarten im Online-Handel

Als die „klassischen“ Zahlungsverfahren im Onlinehandel können Rechnungskauf, Vorkasse und Nachnahme bezeichnet werden. Doch auch andere E-Payment-Verfahren gewinnen immer mehr an Zuspruch und werden dadurch zum wichtigen Erfolgsfaktor im Onlinehandel. Wird seitens des Onlinehändlers eine möglichst breite Auswahl an verschiedensten Zahlungsmöglichkeiten geschaffen, werden Kaufabbrüche im Checkout-Prozess nachhaltig vermindert und die Zufriedenheit der Kunden gesteigert.

Auf Rechnung bestellen – bei Usern die beliebteste Zahlungsart

Ein Kauf auf Rechnung besitzt bei Kunden die höchste Akzeptanz, da die Ware vor der Bezahlung geprüft werden kann. Sie birgt jedoch das Risiko eines Zahlungsausfalls für den Verkäufer, besonders bei einem Rechnungskauf bei Neukunden. Außerdem haben Untersuchungen ergeben, dass beim Rechnungskauf die Retourquote höher ist als bei anderen Zahlungsarten.

Zahlungsmöglichkeiten in Onlineshops: Umso mehr, umso besser

Zahlungsmöglichkeiten in Onlineshops – umso mehr, umso besser (Bildquelle: Jorma Bork / pixelio.de)

Diese Gefahr kann jedoch durch moderne technische Lösungen minimiert werden. So gibt es für Onlineshop-Betreiber zum Beispiel die Möglichkeit, verdeckte Bonitätsprüfungen beim Checkout-Prozess durch Abgleich der Versanddaten über ein Partnerunternehmen vorzunehmen. Diese entscheiden im weiteren Bestellprozess darüber, ob dem Kunden ein Rechnungskauf im Internet gestattet wird oder nicht.

Eine weitere Möglichkeit die Rechnungsabwicklung abzusichern ist es, externen Dienstleistern gegen eine Gebühr das Risiko eines Zahlungsausfalls beim Bestellen auf Rechnung übernehmen zu lassen. Dies kann durch einen Aufkauf der Forderungen (Factoring) oder speziellen Versicherungen geschehen.

 

Vorkassenzahlung als Zahlungsart setzt Vertrauen voraus

Bei einem Kauf per Vorkasse, beispielsweise durch Online Überweisung, trägt der Käufer im Gegensatz zu anderen Zahlungsarten das Risiko eines Zahlungsausfalls. Dies setzt Vertrauen gegenüber des Onlineshops voraus. Auch der zusätzliche Mehraufwand in Form des Überweisungsvorgangs kann auf potenzielle Kunden abschreckend wirken. Aktuellen Studien zufolge wird die Zahlungsmöglichkeit Vorkasse von 85 Prozent aller Onlineshops angeboten und stellt damit das am häufigsten angebotene Zahlungsverfahren aller Anbieter im Onlinehandel dar.

 

Zahlung per Nachnahme: Risikoarm aber teuer

Ein weiteres „klassisches“ Zahlungsverfahren im Internet ist der Kauf per Nachnahme. Hierbei ist zwar das Risiko eines Zahlungsausfalls für Käufer und Verkäufer der Ware gemindert, durch die anfallenden Nachnahmegebühren entstehen zum Teil aber erhebliche Mehrkosten für die Käufer.

 

Kreditkartenzahlung setzt sich immer mehr durch

Im Internet entwickelt sich die Zahlung per Kreditkarte immer mehr zum Standard. Hohe Sicherheitsvorkehrungen, eine einfache Kaufabwicklung und geringe Transaktionskosten haben die Hemmschwelle der Kunden in Bezug auf einen Kauf per Kreditkarte sinken lassen.

Zahlungen per Kreditkarte setzen sich im Ecommerce immer mehr durch (Bildquelle: Tony Hegewald  / pixelio.de)

Zahlungen per Kreditkarte sollte jeder Onlineshop anbieten (Bildquelle: Tony Hegewald / pixelio.de)

Besonders in Branchen des E-Commerce, bei denen ein Leistungsbezug unmittelbar nach der Bezahlung möglich ist (zum Beispiel bei Musikdownloads, Flugtickets und eBooks), ist die Kreditkarte als Zahlungsmittel unverzichtbar geworden. Gleiches gilt für Branchen, die eine Altersverifikation erfordern.

 

Zahlung per Lastschrift: Zukunft ist ungewiss

Obwohl die Lastschrift (beziehungsweise die Zahlung per Bankeinzug) ebenfalls ein beliebtes Zahlungsmittel im Onlinehandel darstellt, ist die Zukunft des Verfahrens nicht absehbar. Grund dafür ist die Schaffung eines europaweit einheitlichen Zahlungsraums für Euro-Transaktionen (SEPA). Nach derzeitiger rechtlicher Lage sind seit der endgültigen Umstellung auf dieses System am 1. Februar 2014  handschriftlich unterzeichnete Einzugsermächtigungen von den Kunden einzuholen. Dies führt für Onlinehändler zu einem erheblicher Mehraufwand.

Bisher ist bei der SEPA-Umstellung nach wie vor noch keine endgültige Rechtssicherheit gegeben. Dadurch müssen unter Umständen zukünftig Transaktionen im Online Handel, die mit Lastschriftverfahren durchgeführt werden, aus Händlersicht kritischer betrachtet werden.

 

Ratenzahlung: Die Zahlungsart mit dem größten Potenzial

Der Ratenkauf boomt im Onlinehandel. 2014 hat sich das Umsatzvolumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Aus Kundensicht sorgt die Ratenzahlung für ein Höchstmaß an Flexibilität, da der fällige Rechnungsbetrag nicht sofort, sondern bequem in mehreren Teilbeträgen bezahlt werden kann, deren Höhe meist vom Kunden selbst festgelegt werden kann. Dies sorgt für eine erhöhte Kaufbereitschaft und vollere Warenkörbe – und damit folglich zu höheren Umsätzen für Onlinehändler.

Externe Zahlungsdienstleister gewährleisten, dass Ratenanträge sofort geprüft werden und die Zahlungsart problemlos in das bestehende Shopsystem integriert wird. Außerdem schützen sie Onlineshops vor Zahlungsausfällen und übernehmen die gesamte Kreditbearbeitung.

Weiterführende Informationen zur Ratenzahlung im Onlinehandel finden sich zum Beispiel auf der Seite www.zahlungsmittel.org.

 

Entwicklung der Zahlungsarten im deutschen Onlinehandel

Wie bereits weiter oben erwähnt ist der Rechnungskauf die beliebteste Zahlungsart der deutschen Onlinekäufer. Der Trend geht aber laut einer Studie des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) hin zum Bankeinzug, welcher 2014 bereits den Kauf auf Rechnung mit einem Gesamtvolumen von über 13 Milliarden Euro – ein Zuwachs von fast 31 % zum Vorjahr – überholt hat.

Auch die Kreditkartenzahlung, die Zahlung per Nachnahme und der Kauf auf Raten konnten 2014 hohe Wachstumsraten aufweisen – wenn auch nur auf wesentlich niedrigerem Umsatzniveau.

Übersicht der beliebtesten Zahlweisen im deutschen Onlinehandel

Bildquelle: www.bevh.org

 

E-Payment & Mobile Payment: Die Zahlungsmodelle der Zukunft

Zahlungsarten, die speziell für den Onlinehandel entwickelt wurden, werden als E-Payment-Verfahren bezeichnet und spielen besonders im Mobile Business eine große Rolle. Eine Unterscheidung kann zwischen nutzerkontounabhängigen, nutzerkontoabhängigen und Direktüberweisungsverfahren getroffen werden. Für Erstgenannte muss vor der Transaktion ein Guthaben erworben oder eine bestehende Karte geladen werden. Dabei ist keine Registrierung notwendig.

Als bekanntester Vertreter der nutzerkontenunabhängigen Möglichkeiten zum Epayment sei die Paysafecard genannt. Bei nutzerkontenabhängigen Verfahren muss eine Registrierung vorgenommen werden, bei der zahlungsrelevante Daten angegeben werden müssen. Besonders Paypal hat sich als Bezahlmöglichkeit im Online Handel längst durchgesetzt. Bei Direktüberweisungsverfahren (zum Beispiel giropay oder SOFORT Überweisung) wird direkt über das Online-Banking-Konto des Kunden eine Überweisung an den Händler getätigt.

Mobile Payment ist spätestens seit Apple Pay, dem hauseigene mobile Zahlungssystem von Apple, in aller Munde. In den USA wird das Ende 2014 vorgestellte System bereits in über 220.000 stationären Ladengeschäften genutzt. Es ist zu erwarten, dass Apple Pay auch zeitnah in Europa und dem Rest der Welt eingeführt wird und sich schnell verbreitet.


 

Mobile Payment: Pro und Contra

Der Vorteil dieser drei genannten Verfahren ist, dass sie direkt auf Transaktionen im Onlinehandel abgestimmt sind und gegebenenfalls dem Händler die Zahlungen der Kunden garantieren. Außerdem ist abzusehen, dass diese Bezahlmodelle in Zukunft beim Mobile Payment eine große Rolle spielen werden.

Oftmals haben die Verfahren bisher jedoch Verbreitungs- und Akzeptanzprobleme – sowohl bei Shopbetreibern als auch bei den Usern. Werden dem Kunden ausschließlich solche Verfahren als Zahlungssysteme angeboten, kann dies also zu Kaufabbrüchen führen, da Kunden beim Kauf im Internet unterschiedlichste Präferenzen in Bezug auf die Zahlungsweise haben.